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Posted Mai 19, 22:33 in by king of the potatoe people, comments closed.

Wie immer werde ich vom dritten oder vierten Track meiner wake-up mix CD geweckt. Wie immer weiß ich nicht ob die CD zum ersten oder zweiten mal durchläuft.
Es scheint das erste mal zu sein, die Uhrzeit ist O.K.
Mein Mund ist ungewöhnlich trocken. Ich kämpfe mich in die Senkrechte.
Während ich langsam in die Realität stolpere, stoße ich mir den rechten, großen Zeh am Bett.
Es tut nicht weh und ich setze meinen Weg fort. Erstmal aufs Klo.
Ich schaue auf meine Füße, wohin auch sonst, und bin erschrocken.
Der Zeh steht im spitzen Winkel ab, wie die Arme einer mißbrauchten Actionfigur. An der Wurzel ist die Haut aufgerissen. Der blanke Knochen ist zu sehen.
Mir wird leicht übel, aber weder blutet die Wunde noch verspüre ich irgendwelchen Schmerz.
Ich greife danach, alles trocken. Kurz mal dran ziehen führt dazu, dass ich den Zeh in der Hand halte. Noch immer kein Schmerz und kein Blut.
Ich bin besorgt. Nervös knabbere ich an meinen Fingernägeln. Der vom Zeigefinger löst sich ab und fällt in Richtung Boden. Das dünne Stück Haut, an dem er noch hing, schält sich aufgrund des Gewichts des Nagels langsam von meinem Finger ab.

Ich denke ich sollte zum Arzt gehen.

Notdürftig verbinde ich den Fuß mit einem alten Bundeswehr-Stofftaschentuch, den Fingernagel trenne ich mit der Nagelschere vorischtig ab und sichere die lose Haut mit einem Pflaster.
Ich eile aus der Wohnung und trete mit dem verbundenen Fuß in eine Pfütze. Es regnet.
Der Fuß fühlt sich komisch an. Ich löse den feuchten Verband und muss zuschauen, wie sich mein Fuß auflöst. Die obere Hautschicht schwimmt auf einem Klumpen Sülze, der mal meine Fußknochen und Muskeln waren. Sie beginnt zu reißen, die Sülze quillt langsam raus.
Der Regen beginnt kleine Löcher in meine Hände zu schlagen und das Gleiche passiert an meinen Ohren. Ich schmecke den Regen auch auf meiner Zunge obwohl mein Mund geschlossen ist.

Was ist hier los? Ich muss ins trockene! Während ich panisch die Straßen entlangrenne, wie das Opfer in einem Gruselthriller, das nicht weiß von wem es verfolgt wird, spüre ich wie die Feuchtigkeit durch meine Kleidung dringt.
Meine Beine werden kälter und mit jedem Schritt reibt sich eine mikrometerdicke Schicht meiner Haut ab. Panik.
Mir fällt ein Sonnenstudio ins Auge. Ein Entladung auf meiner Großhirnrinde (nach außen inzwischen wahrscheinlich deutlich sichtbar) sagt mir: Regen = schlecht also Sonne = gut…vermutlich!

Ich falle in den Laden, kaum noch in der Lage zu stehen oder mich gezielt zu bewegen. Die Degeneration ist inzwischen weit fortgeschritten. Ich sehe Scheiße aus.
Ich stürme in eine der Kabinen. Niemand hält mich auf. Nur aus dem Hintergrund brüllt jemand etwas von Clerasil statt Sonnenbank. Arschloch.
Die Lichttherapie wirkt. Quasi momentan baut sich mein Zellgewebe wieder auf. Ich spüre wie sich meine Gesichtshaut schließt. Die Geräuschkulisse klärt sich mit der Regeneration meiner Ohrmuschel, und ich kann wieder gerade stehen.
Ich ziehe endlich die nassen Sachen aus und genieße das Gefühl von heilender Wärme auf Brust und Rücken.

Erstmal gerettet.

Ich warte den Regen noch im Sonnenstudio ab und zahle dann den erforderlichen Preis.
Wieder zu Hause buche ich einen Flug nach Marokko. Ich muss in eine trockenere Gegend ziehen, sonst hab ich keine Zeit mein durchaus beschissenes, neustes Problem zu lösen.
In Casablanca gelandet zieht es mich trotz meiner Feuchtigkeitsunverträglichkeit erstmal ans Meer. In Berlin war seit Wochen Nieselwetter und die warme Sonne des nördlichen Afrikas schreit regelrecht nach einem Tag am Strand.

Ich gehe also zum Strand und setze mich in die pralle Hitze. Es geht mir blendend. Ich verspüre keinerlei Durst oder Erschöpfung und starre wie üblich für Stunden auf die offene See.
Es ist verführerisch, das Meer. Und dann packt mich plötzlich die Sehnsucht einzutauchen. Ein verwegener Mutanfall legt mein Hirn lahm. Ich will das jetzt wissen.
Ich lege meine Klamotten ab, hole tief Luft und starte einen Sprint durch den warmen Marokkanischen Sand auf die rauschende Brandung zu. Die brechenden Wellen sehen aus wie riesige Mäuler, die nach mir schnappen, mich verschlingen, wollen.
Ich muss rennen so schnell ich kann. Ich habe mir in den Kopf gesetzt so weit wie möglich zu kommen bevor es mich zerlegt. Mir kommt Störtebecker in den Sinn und dann Daniel Küblböck. weird.

Als ich das rechte Bein in das flache Wasser stecke verliert es sofort seine Integrität und bricht weg. Ich kann es noch spüren, aber es ist losgelöst von meinem Körper und es tut auch immer noch nicht weh.
Natürlich verliere ich das Gleichgewicht und stürzte Kopfüber in eine Wellenfront. Ich kann feine Sandkörner spüren, die überall meinen Körper durchlagen. Ich schmecke Salz und atme Wasser. An allen Enden lösen sich die Gliedmaßen vom Körper und mein Torso zersetzt sich.
Ich fühle mich ein bisschen so, wie eine Brausetablette aussieht. Teile meines Körpers werden an den Strand gespült und beginnen in der Sonne zu regenrieren, nur um von der nächsten Welle wieder aufgelöst zu werden.
Aber ich verpasse den Moment an dem mein Bewusstsein sich hätte verabschieden sollen. Es ist noch da und ich bin mir jedes Moleküls meines ehemaligen Körpers voll bewusst.
Am Strand bildet sich ein Finger neu und wird von einer Möwe gefressen. Die meisten Partikel werden jedoch weiter hinaus ins Meer gespült. Ich werde verteilt.
Es überwältigt mich, dass ich das alles erfahren kann. Ich rauche durch die Kiemen eines kleinen Fisches und an den Wänden eines riesigen Öltankers entlang. Ich spüre die warmen Strömungen des äquatorialen Atlantik und das kalte Eis der Arktis.
Ich befinde mich in Fischmägen, aber auch zwischen Otterhaaren und Menschenzehen. Ich spüre Rohöl, Küchenabfälle und Urin. Ich bin überall, spüre alles, verstehe alles.
Es scheint eine Ewigkeit zu vergehen und die Teile meines Bewussteseins die dazu in der Lage sind freuen sich über die Entwicklungen meiner letzten Tage als Ganzes.
Doch meine Erinnerungen verblassen langsam, genau wie meine Euphorie. Die Dinge werden schwammig. Eines Tages wird es plötzlich dunkel. Mein Geist verschwimmt. Meine Identität schrumpft. Mir ist etwas zu warm. Mir ist gar nicht wohl. Ein bisschen übel ist mir. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen.
An meinem oberen Ende packt etwas zu und zieht mich durch einen fürchterlich engen Tunnel. Ich spüre den Druck fast physisch.
Ich werde mir einer neuen Körperlichkeit bewusst, weiß aber nichts damit anzufangen, kann nichts steuern und verstehe gar nichts.
Plötzlich ist es widerlich hell und kalt. Ich will meinen Unmut formulieren, finde ein Sprachorgan, kann es aber nicht nutzen und gebe nur lautes Kreischen von mir.
Etwas Weiches berührt mich in der Nähe meines Bewusstseins. Ich werde gegen etwas Warmes gedrückt, das irgendwie vertraut riecht und ich fühle mich sicher.
Ich beruhige mich und fasse meinen ersten klaren Gedanken seit einer halben Ewigkeit:
Ich muss kacken.

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